sb: Stell dich bitte kurz unseren Lesern vor.

ge: Mein Name ist Günter Eickhoff. Ich bin 65 Jahre alt, verheiratet und habe 3 erwachsene Kinder. Von Beruf bin ich Zahntechniker und seit über 30 Jahren ehrenamtlich in der Frankenberger Kirchengemeinde in Goslar aktiv. Seit einigen Jahren bin ich außerdem nebenberuflich als Küster beschäftigt.
sb: Ihr habt in Goslar die letzten Monate ein für uns spannendes Projekt umgesetzt. Nämlich das Thema „Kirchen Feedback“. Kannst du uns bitte kurz erklären, warum ihr das gemacht habt und welche Menschen, in welcher Art und Weise, befragt wurden?
ge: Uns ist wichtig, unsere Gemeindearbeit Basis- und Mitglieder orientiert zu gestalten. Darum haben wir mit mehreren Kirchengemeinden in Goslar eine Online-Basis-Umfrage mit KirchenFeedback.de gestartet, um allen Gemeindegliedern die Möglichkeit zu geben, ihre Meinung (anonym und datenschutzkonform) zu äußern und die zukünftige Form von Kirche vor Ort mitzugestalten. Weitere interessante Infos gibt es in diesem kurzen YouTube Video: Kirchenfeedback für Verantwortungstragende in Kirchen, Gemeinden, christlichen Werken. – YouTube
sb: Was sind die 2-3 wichtigsten Erkenntnisse, die ihr aus dem Kirchen-Feedback für eure Arbeit herauszieht?
ge: Hier ist stichpunktartig mein zusammenfassendes Fazit mit konkreten Maßnahmen:
1. Wechselseitige Kommunikation zwischen Gemeindegliedern und Gemeindeleitung (KV) wesentlich verbessern:
a) Regelmäßige Kontaktaufnahme zu allen Gemeindegliedern, z.B. durch „Kirchenpost“ wie in der Landeskirche Bayern (kirchenpost.net) oder in der Landeskirche Hannover: Kirchenpost – Kirchenpost (landeskirche-hannovers.de)
In unserer Landeskirche läuft auch schon ein Pilotprojekt mit Kirchenpost im Pfarrverband Schöppenstedt Süd.b) Gemeindeforum gründen, zu dem alle Gemeindeglieder regelmäßig eingeladen werden (2x im Jahr), um neue Impulse und Ideen zusammenzutragen und diese gemeinsam weiterzuentwickeln.
2. Neue moderne Gottesdienstformen mit zeitgemäßer Popularmusik anbieten, die für die jüngere Generation (Jugendliche, junge Erwachsene, Familien mit Kindern) ansprechend sind.
Dazu soll eine Popularmusikerin oder einen Popularmusiker für die Propstei Goslar oder die Region Süd der Landeskirche eingestellt werden (ca. 50% für die Arbeit mit Bands und Chören in der Region und mit 50% für die Arbeit der Gospelkirche Goslar und für das zukünftige Stadt Jugendprojekt (ein Kooperationsprojekt mit Goslarer Schulen und vielen weiteren Akteuren).
3. Mehr Angebote für junge Leute nach der Konfirmation und für junge Erwachse, z.B. in der Altstadt Goslar 1x im Monat Spiel und Sport auf der Frankenberger Kirchwiese anbieten; am Abend mit Lagerfeuer, Andacht und Lieder Singen zur Gitarre (evtl. mit Übernachtung in Zelten).
sb: Wie geht es in Goslar und euren Gemeinden damit jetzt weiter?
ge: Nach den ersten Auswertungs-Treffen haben wir verabredet, dass wir in Goslar regelmäßig zu einem Gemeindeforum zusammenkommen wollen, um die Ergebnisse aus der Umfrage auch praktisch umzusetzen. Dazu laden wir alle Gemeindeglieder ein, um eine basis- und mitgliederorientierte Mitmachkultur zu verwirklichen und so das Gemeindeleben dem Bedarf entsprechend flexibel zu gestalten.
sb: Was können wir deiner Meinung nach für unseren gesamten Zukunftsprozess daraus lernen?
ge: Ich denke, dass auch für die gesamtkirchliche Entwicklung die oben genannten Punkte tatsächlich von entscheidender Bedeutung sind:
– Mehr Kommunikation und Beteiligungsmöglichkeiten für alle Gemeindeglieder. „Kirchenpost.net“ und „KirchenFeedback.de“ sind auf Landeskirchenebene eine gute Anzatzmöglichkeit.
– Regelmäßig zeitgemäße Gottesdienste mit moderner Band Musik anbieten.
– Dafür ist es notwendig, dass die Landeskirche Popularmusik intensiv fördert und zusätzlich mehrere Popkantor*innen in den Propsteien oder Regionen einsetzt und … entgegen dem Trend zusätzliche Ressourcen investiert (s. Strategiepapier „Lebendige Kirche 2030“, S. 5). So wird es auch in vielen Kirchenkreisen anderer Landeskirchen praktiziert. Und das aus gutem Grund, denn in der Gesamtbevölkerung ist Popularmusik (Rock- und Popmusik) die beliebteste von allen Musikrichtungen (siehe: https://miz.org/de/statistiken/bevorzugte-musikrichtungen-nach-altersgruppen ).
Wenn wir das verstärkt berücksichtigen und vermehrt moderne Gottesdienste mit professioneller Popularmusik anbieten, kommen auch Menschen, die mit den traditionellen, klassischen Gottesdienstformen nichts anfangen können, wieder öfter zur Kirche und fühlen sich angesprochen.
Konkret planen wir am Do. 5. Okt. 2023, 17-20 Uhr einen offenen Abend zum Thema: „Öfter mal was Neues – Andere Gottesdienstformate“ mit dem Referenten Pfarrer Dr. Christopher Kumitz-Brennecke. Ort: Frankenberger Plan 4-5, Goslar. Dazu sind alle am Zukunftsprozess der Landeskirche und an neuen Gottesdienstformen Interessierte herzlich eingeladen.
Um die Kirche für junge Menschen wieder attraktiver zu machen, müssen viel mehr Jugend Diakone/innen eingestellt werden, z.B. überall da, wo die Pfarrer die Arbeit nicht mehr schaffen können oder bei Pensionierung keine neuen mehr eingestellt werden können. Dazu müssen wahrscheinlich die Personalschlüssel zur Verteilung von Pfarrer*innen, Diakon*innen und Kirchenmusiker*innen neu geregelt werden.
Vielen Dank an Günther für das Interview!